Lebensfeiern dürfen traurig sein. Aber bitte nicht nur.
- 17. Juni
- 5 Min. Lesezeit

Denn auch bei einer Lebensfeier darf gelacht werden.
Ich glaube, wir haben bei Trauer oft ein Bild im Kopf, das ziemlich streng ist.
Schwarz. Leise.
Schwer.
Bloß nicht zu viel lachen.
Bloß nicht zu bunt.
Bloß nicht zu anders.
Bloß nicht irgendwas machen, bei dem Tante Erna in Reihe drei kurz die Augenbraue hebt.
Aber ganz ehrlich?
Trauer fragt nicht nach Benimmregeln.
Trauer kommt nicht ordentlich frisiert durch die Tür, setzt sich brav hin und sagt:
„Hey, ich bin heute von 14 bis 16 Uhr da und danach benehme ich mich wieder.“
Nein.
Trauer ist manchmal laut.
Manchmal ganz still.
Manchmal macht sie müde.
Manchmal wütend.
Manchmal leer.
Manchmal sitzt sie plötzlich mit am Küchentisch, obwohl man gerade nur Kaffee kochen wollte.
Und manchmal kommt sie mitten in einem Lachen um die Ecke und sagt:
„Hallo, ich bin auch noch da.“
Ja, auch ich kenne das!
Auch ich trage Menschen in mir, die ich vermisse.
Menschen, an die ich nicht jeden Tag gleich denke.
Manchmal weich.
Manchmal schwer.
Manchmal mit einem Lächeln.
Manchmal mit diesem kleinen Stich im Herzen, der sagt:
"Ach Mensch, Du fehlst mir so..."
...und genau deshalb glaube ich so sehr daran:
Trauer darf Raum bekommen.
Aber sie muss nicht nur dunkel sein.
Denn wenn die Trauer groß ist, dann war da meistens auch große Liebe.
Und diese Liebe darf doch nicht plötzlich leise gestellt werden, nur weil ein Mensch gegangen ist.
Sie darf weiterklingen.
In Erinnerungen.
In Geschichten.
In Liedern.
In kleinen Macken.
In Sätzen, die man nie vergessen wird.
In diesem einen Blick, den man sofort wieder vor sich hat.
In Gerüchen, Orten, Gegenständen, Lieblingsessen, Chaosmomenten und all den Dingen, bei denen man denkt:
Ja. Genau das war so typisch.
Und ja, bei einer Lebensfeier darf geweint werden.
Natürlich darf geweint werden!!
Man darf zittern. Schweigen. Taschentücher suchen. Sich an jemandem festhalten.
Man darf auch nicht wissen, wohin mit sich.
Aber man darf auch lachen.
Nicht dieses höfliche „Ich lache mal kurz, aber bitte keiner merkt’s“- Lachen.
Sondern dieses echte Lächeln, das aus einer Erinnerung kommt.
Weil jemand immer zu spät kam.
Weil jemand nie ohne Kommentar in einen Raum laufen konnte.
Weil jemand beim Autofahren gesungen hat, obwohl Singen vielleicht nicht gerade die Kernkompetenz war.
Weil jemand eine Macke hatte, die früher genervt hat und heute plötzlich Gold wert ist.
Das ist nicht respektlos.
Das ist Liebe.
Ein Lächeln bei einer Lebensfeier heißt nicht:
„Ist ja alles halb so schlimm.“
Nein. Um Himmels willen.
Manchmal ist gar nichts halb so schlimm.
Manchmal ist es einfach schlimm.
Aber ein Lächeln kann sagen:
"Ich erinnere mich.
Ich sehe dich noch.
Ich weiß noch, wie du warst.
Und du bist nicht nur der Moment deines Abschieds.
Du warst Leben."
Und genau darum geht es für mich bei einer Lebensfeier.
Nicht darum, den Tod schönzureden.
Nicht darum, Trauer in Glitzerpapier zu wickeln und zu sagen: „Ach komm, wird schon.“
Nein. Wirklich nicht.
Damit brauchen wir gar nicht erst anfangen.
Es geht darum, den Blick nicht nur auf den Verlust zu legen, sondern auch auf das, was da war.
Auf das Leben.
Auf den Menschen.
Auf das, was bleibt.
Ich möchte keine Rede schreiben, die klingt wie ein Lebenslauf mit Kerze daneben.
Geboren. Schule. Arbeit. Familie. Rente.
Gestorben.
Danke, nächster Absatz.
Nein!!!
Ein Mensch ist doch nicht seine Datenliste.
Ein Mensch ist die Art, wie er gelacht hat.
Wie sie die Tür geöffnet hat.
Wie er Kaffee getrunken hat.
Wie sie geschimpft hat.
Wie er geliebt hat.
Wie sie gekocht hat.
Wie jemand da war.
Oder manchmal auch nicht perfekt da war, aber eben menschlich.
Ein Mensch ist nicht glatt.
Und genau deshalb sollte eine Abschiedsrede auch nicht glatt sein.
Sie darf ehrlich sein.
Warm.
Würdevoll.
Liebevoll.
Und manchmal eben auch mit einem kleinen Augenzwinkern.
Weil echte Menschen nicht aus Trauerkarten-Sätzen bestehen.
Echte Menschen hatten Lieblingslieder, schlechte Laune, Sonntagsrituale, Gartenschuhe, Parfum, Werkzeuge, Kochlöffel, Dialekt, Dickkopf, Humor, Chaos, Herz und diese eine Art, die niemand kopieren kann.
Und wenn wir Abschied nehmen, dann darf genau das noch einmal sichtbar werden.
Nicht nur, dass jemand gegangen ist.
Sondern dass jemand da war.
Mit allem.
Ich finde, eine Lebensfeier darf so unterschiedlich sein wie der Mensch selbst.
Leise und schlicht.
Warm und familiär.
Mit klassischer Musik.
Mit Rock.
Mit einem Lied, das erstmal keiner erwartet.
Mit Kerzen.
Mit Blumen.
Mit einem Gegenstand, der etwas erzählt.
Mit einem Ritual.
Mit Farbe.
Mit einer Geschichte, bei der alle nicken.
Mit einem Moment, in dem gelacht wird.
Vielleicht sogar mit Tanzen, wenn genau das gepasst hätte.
Ja, wirklich. Tanzen!
Nicht, weil wir vergessen, warum wir da sind.
Sondern weil manche Menschen eben nicht in stillem Beige verabschiedet werden wollen.
Manche Menschen waren laut. Bunt. Lustig. Wild. Herzenswarm. Eigen.
Und dann darf der Abschied das auch zeigen.
Trauer muss nicht nach Vorschrift aussehen.
Sie muss sich richtig anfühlen.
Und dieses „richtig“ ist für jede Familie anders.
Manche brauchen Ruhe.
Manche brauchen Musik.
Manche brauchen viele Worte.
Manche nur wenige.
Manche möchten lachen dürfen.
Manche müssen erst mal atmen.
Manche wissen sofort, was passt.
Und manche sitzen da und sagen:
„Sandra, wir wissen gar nichts. Wir wissen nur, dass es nicht steif sein soll.“
Und genau dann sage ich innerlich:
"Okay. Dann fangen wir da an."
Ihr müsst nicht alles wissen.
Ihr müsst nicht mit fertigen Sätzen kommen. Ihr müsst keine perfekte Geschichte erzählen.
Ihr müsst auch nicht stark sein, nur weil gerade so viel organisiert werden muss.
Ihr dürft einfach erzählen.
Durcheinander.
Mit Pausen.
Mit Tränen.
Mit Lachen.
Mit „Ach, das ist eigentlich gar nicht wichtig“.
Und ganz oft denke ich dann:
Doch. Genau das ist wichtig.
Weil in diesen kleinen Nebensätzen oft das steckt, was einen Menschen wirklich zeigt.
Nicht in den großen Überschriften.
Nicht in den perfekten Formulierungen.
Sondern in dem, was zwischen den Zeilen mitschwingt.
In der Pause nach einem Satz.
In dem liebevollen Kopfschütteln.
In der Stimme, die plötzlich weicher wird.
In dem Moment, in dem jemand sagt:
„Typisch Mama.“ Oder: „Genau so war Papa.“
Und alle im Raum wissen sofort, was gemeint ist.
Da höre ich hin.
Ich höre nicht nur Fakten.
Ich höre nach Gefühl.
Nach Verbindung.
Nach Liebe.
Nach dem, was euch wichtig ist, auch wenn ihr es vielleicht noch gar nicht richtig greifen könnt.
Und daraus darf dann eine Rede entstehen.
Keine Rede von der Stange.
Keine Rede, die theoretisch auch zu fünf anderen Menschen passen würde.
Sondern Worte, die euren Menschen spürbar machen.
So, dass ihr im besten Fall denkt:
"Ja. Genau das wollten wir sagen. Wir konnten es nur selbst noch nicht."
Für mich ist das eine große Verantwortung.
Wenn Menschen mir in so einer schweren Zeit ihr Vertrauen schenken, dann ist das nichts Kleines.
Sie legen mir Erinnerungen in die Hände.
Liebe. Schmerz. Manchmal auch Unsicherheit. Manchmal Dinge, die noch nie laut ausgesprochen wurden.
Dieses Vertrauen nehme ich nicht leicht.
Ich halte es mit beiden Händen.
Und ich wünsche mir, dass Menschen nach einer Lebensfeier nicht nur rausgehen und denken: „Das war traurig.“
Sondern vielleicht auch:
"Das war sie.
Das war er.
Das war unser Mensch.
Wir haben geweint.
Wir haben gelächelt.
Wir haben erinnert.
Und für einen Moment war da nicht nur Abschied, sondern auch ganz viel Nähe."
Denn Trauer ist NICHT das Gegenteil von Liebe.
Trauer ist Liebe, die gerade keinen Ort mehr findet, an dem sie ankommen kann.
Und vielleicht kann eine Lebensfeier genau so ein Ort sein.
Ein Ort für Schmerz.
Für Dankbarkeit.
Für Erinnerungen.
Für leise Momente.
Für kleine Geschichten.
Für dieses Lächeln mitten im Weinen.
Für alles, was war.
Und für alles, was bleibt.
Wenn ihr euch für euren Menschen genau so einen Abschied wünscht, einen, der nicht steif ist, nicht austauschbar, nicht nur traurig, sondern echt und nah am Leben, dann meldet euch gerne bei mir.
Ihr müsst nicht wissen, wie das alles aussehen soll.
Ihr müsst nur spüren:
Da soll jemand an unserer Seite sein, der hinhört.
Jemand, der zwischen den Zeilen liest.
Jemand, der aus vielen kleinen Erinnerungen Worte formen kann, die sich richtig anfühlen.
Dann bin ich gerne für euch da.
Mit Herz. Mit Ruhe. Mit ehrlichen Worten.
Und mit ganz viel Liebe für das gelebte Leben.
Ehrliche und ECHTE Worte von mir zu euch...
...eure Sandra Freie Lebensrednerin, mit dem Herz auf der Zunge
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